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Karten & Betrieb · 4 Min. Lesezeit

Eigener Kartenserver: wann er sich lohnt und wann nicht

Ein eigener Kartenserver lohnt sich, wenn Apps Karten offline brauchen, viele Geräte gleichzeitig laden oder mehrere Produkte dieselbe Karte nutzen. Dann entfallen API-Schlüssel, Kosten pro Abruf und Verbote fürs Vorabladen, dafür kommen Kartenbau und Betrieb dazu. Unserer heißt tileco.re und läuft seit August 2026 für Tactio, künftig sollen auch LeasePilot und BKF Manager ihre Karten von dort beziehen.

Marc

9. Oktober 2026 · AutorMarc

Offline-Karten brauchen eine Quelle, die Vorabladen erlaubt

Tactio, unsere Plattform für taktische Events, lädt Gelände vorab aufs Gerät, weil es im Wald kein Netz gibt. Dafür braucht es eine Kartenquelle, die das erlaubt. Die öffentlichen Kachelserver von OpenStreetMap kommen dafür nicht infrage: Sie laufen ehrenamtlich, ihre Nutzungsrichtlinie untersagt das Vorabladen ganzer Gebiete und behält sich vor, kommerzielle Dienste auszuschließen.

Eine Lizenz braucht man bei OpenStreetMap nicht: Die Daten dürfen kopiert und verändert werden, auch kommerziell, solange OpenStreetMap genannt wird. Das Hindernis ist die Infrastruktur. Die kommerziellen Kartendienste, die wir im August 2026 geprüft haben, verboten das Vorabladen, deckelten es je Gerät oder verlangten einen API-Schlüssel in jeder App. Google etwa untersagt, Kacheln vorab oder in großen Mengen herunterzuladen (Abschnitt 3.2.3 der Nutzungsbedingungen).

Seitdem kommen die Karten vom eigenen Server

Seit dem 7. August kommen die Karten für Tactio von unserem eigenen Server. Heute heißt er tileco.re (öffnet in neuem Tab) und deckt Deutschland und seine neun Nachbarländer ab: rund 12 GB Kartendaten, Stand August 2026.

Planetiler rechnet die OpenStreetMap-Daten in Vektorkacheln im OpenMapTiles-Schema um, TileServer GL liefert sie aus und zeichnet daraus bei Bedarf Rasterbilder. Ein Cache davor hält, was einmal abgerufen wurde. Seit Ende August zeichnen Web-App und Apps die Karte mit MapLibre selbst, der Server liefert dafür nur Daten.

Das bringt: keine API-Schlüssel in den Apps, keine Lizenzkosten, keine Kosten pro Kartenabruf, und die Abrufe gehen an unseren eigenen Server statt an fremde Kartendienste. Für den Offline-Download von 10 × 10 km Wald und Seen in Brandenburg haben wir am 8. Oktober 2026 gemessen, jeweils ab Zoomstufe 12: 0,9 MB als Vektorkarte, rund 30 MB als Rasterkarte bis Zoomstufe 17. Gebiete lädt bisher nur die iPhone-App, noch als Raster bis höchstens Zoomstufe 17. Vektorkarten offline und ein Gebietsdownload für Android sind noch offen.

Die Probleme kamen nach dem Start

Der Kartenstil OSM Liberty, auf dem unserer aufbaut, zeigte Wald und Wiese mit einem Kontrast von 1,03 : 1, im Gelände praktisch eine Fläche. Unserer nimmt dafür seit dem 7. August die Farben der OpenStreetMap-Standardkarte. Dabei fiel auf, dass unsere eigenen Linien über Wald zu wenig Kontrast hatten. Geholfen hat eine dunkle Fassung um jede Linie (10,3 : 1), nicht der naheliegende weiße Rand (1,7 : 1).

Im Betrieb gibt der Renderer für Rasterbilder Speicher nicht wieder frei: Am 21. August beendete ihn das Speicherlimit, der automatische Neustart verdeckte es. Seitdem startet er jede Nacht neu, in unter einer Sekunde. Schnell macht den Dienst ohnehin der Cache: Eine schon abgerufene Kachel kommt in 1,1 statt 330 Millisekunden.

Und eine Zahl stimmte nicht. Für Raster bis Zoomstufe 19 nannte unsere Doku 2,2 GB je 10 × 10 km, als Messung ausgewiesen, aber mit einem Mittelwert über Wald und Stadt gerechnet. Gemessen sind es im Wald 199 MB, weil die Kacheln dort auf hohen Zoomstufen fast leer sind.

Ein eigener Kartenserver lohnt sich nicht für jede Karte

Für Tactio war die Entscheidung leicht. Allgemein sehen wir es so:

  • Lohnt sich, wenn Karten offline funktionieren müssen, viele Geräte gleichzeitig laden oder Kosten pro Abruf mit der Nutzung wachsen würden.
  • Lohnt sich erst recht, wenn mehrere Produkte dieselbe Karte nutzen. Als Nächstes soll LeasePilot damit Standorte im Flottenmanager zeigen und BKF Manager die Fortbildungsstätten.
  • Lohnt sich nicht für eine einzelne Anfahrtskarte. Adresssuche und Routing bringt ein Kartenserver ohnehin nicht mit: Adressen sucht Tactio weiter über OpenStreetMap.
  • Lohnt sich nicht, wenn niemand den Betrieb übernimmt. Kartenbau, Updates, Speicher und Neustarts bleiben Arbeit; vorgesehen ist ein Neubau der Daten pro Quartal.

Was wir mitnehmen

Den Ausschlag gibt das Vorabladen, nicht der Preis. Wer Karten offline braucht, sollte zuerst die Nutzungsbedingungen der Kartendienste lesen. Bei uns fiel die Entscheidung genau dort.

Kacheln allein sind noch keine Karte. Gängige Stile laden Schriften und Symbole ab Werk von fremden Servern, teils mit API-Schlüssel. Beides gehört auf den eigenen Server, die Namensnennung „© OpenMapTiles © OpenStreetMap contributors“ fest in die App, denn im Funkloch lädt sie niemand nach. Mehr zu unserem Kartenserver steht unter Betrieb & Hosting.

Quellen

Über den Autor

Marc

Gründer & Geschäftsführer bei ayonto, verantwortlich für die Entwicklung sowie Betrieb und Hosting.

Aus der Praxis

  • Tactio – Multi-Tenant-SaaS für taktische Simulation-Events — Airsoft, Paintball und MilSim mit Live-Lagebild, eigenen Vektorkarten, Scoring-Engine und Verifikation vor Ort.

FAQ

Kurz beantwortet

Kurz beantwortet zu „Eigener Kartenserver: wann er sich lohnt und wann nicht“.

Was kostet ein eigener Kartenserver?

Lizenzkosten für OpenStreetMap-Daten fallen nicht an, Kosten pro Kartenabruf auch nicht. Es bleiben Server und Arbeitszeit: Unsere Kartendaten für Deutschland und seine neun Nachbarländer belegen rund 12 GB und liegen auf einem Server, den wir ohnehin betreiben. Dazu kommen Kartenbau, Updates und Betrieb.

Darf ich OpenStreetMap-Karten offline in meiner App speichern?

Die Daten ja: Die Open Database License erlaubt das und verlangt die Namensnennung. Von den Kachelservern von OpenStreetMap dürfen Sie aber keine Gebiete vorab laden, das untersagt deren Nutzungsrichtlinie. Dafür braucht es einen eigenen Server oder einen Dienst, der es ausdrücklich erlaubt.

Welche Namensnennung gehört in die App?

Bei Kacheln im OpenMapTiles-Schema „© OpenMapTiles © OpenStreetMap contributors“, verlinkt und fest in der App hinterlegt, nicht nur im Kartenstil vom Server.

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